1. Was ist eine Fettleber? — Definition & Fachbegriff
Eine Fettleber — medizinischer Fachbegriff Steatosis hepatis — liegt vor, wenn sich in mehr als fünf Prozent der Leberzellen (Hepatozyten) Fetttröpfchen einlagern. Es handelt sich um die häufigste chronische Lebererkrankung weltweit und bleibt oft über Jahre unentdeckt, weil sie im Frühstadium kaum Beschwerden verursacht.
Der Begriff stammt aus dem Griechischen (steatos = Fett, hepatos = Leber). Im klinischen Alltag werden die Ausdrücke Fettleber und Steatosis hepatis synonym verwendet. In Arztbriefen und Befunden lesen Betroffene häufig auch die Abkürzungen MASLD oder NAFLD — dazu gleich mehr.
Neue Nomenklatur seit 2023: Von NAFLD zu MASLD
Die medizinische Fachwelt hat sich 2023 auf eine neue Bezeichnung geeinigt. Die bisher gebräuchliche Abkürzung NAFLD (Non-Alcoholic Fatty Liver Disease) wurde durch MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) ersetzt. Ebenso heißt die entzündliche Form NASH jetzt MASH (Metabolic Dysfunction-Associated Steatohepatitis). Diese Umbenennung geht auf einen internationalen Delphi-Konsensus zurück, an dem über 200 Fachgesellschaften beteiligt waren (Rinella et al., 2023).
Die Gründe für die Umbenennung waren vor allem zwei: Erstens sollte die stigmatisierende Bezeichnung „nicht-alkoholisch" entfallen, die viele Betroffene als belastend empfanden. Zweitens rückt die neue Nomenklatur den tatsächlichen Krankheitsmechanismus — die metabolische Dysfunktion — in den Vordergrund. Das spiegelt den aktuellen wissenschaftlichen Konsens besser wider und erleichtert die Diagnosestellung.
Auf fettleber.org informieren wir leitlinienbasiert über alle Aspekte der Fettlebererkrankung — von der Entstehung über die Diagnose bis zu aktuellen Therapiemöglichkeiten.
Mehr dazu: MASLD vs. NAFLD — Was hat sich geändert?2. Wie häufig ist eine Fettleber?
Die Fettleber ist die mit Abstand häufigste Lebererkrankung in den Industrienationen. Schätzungen zufolge ist weltweit etwa jeder vierte Erwachsene betroffen — Tendenz deutlich steigend.
Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu und korreliert stark mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Besonders besorgniserregend: Auch bei Kindern und Jugendlichen steigt die Prävalenz im Zuge der zunehmenden Adipositas in jungen Lebensjahren an. In der Altersgruppe der 40- bis 70-Jährigen liegt die Prävalenz in Europa sogar bei über 30 Prozent.
Trotz dieser enormen Verbreitung wissen viele Betroffene nichts von ihrer Erkrankung. Da die Fettleber in frühen Stadien keine Symptome verursacht, wird sie häufig nur als Zufallsbefund bei einem Routine-Ultraschall oder einer Blutuntersuchung entdeckt.
Mehr dazu: Fettleber in Zahlen — Prävalenz und Trends3. Ursachen & Risikofaktoren
Eine Fettleber entsteht, wenn die Leber mehr Fett aufnimmt oder bildet, als sie abbauen und ausschleusen kann. Die Ursachen sind vielfältig und lassen sich in drei Hauptgruppen unterteilen.
Metabolische Ursachen (häufigste Gruppe)
Die überwiegende Mehrheit aller Fettlebererkrankungen steht im Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom. Dieses umfasst eine Kombination aus Übergewicht (insbesondere Bauchfett), erhöhtem Blutzucker oder Insulinresistenz, Bluthochdruck und ungünstigen Blutfettwerten. Bereits ein einzelner dieser Faktoren reicht nach der neuen MASLD-Definition aus, um die Diagnose zu stellen — sofern eine Steatose nachgewiesen ist.
Übergewicht ist der bedeutendste Risikofaktor: Bei Menschen mit einem BMI über 30 liegt die Prävalenz der Fettleber bei über 75 Prozent. Auch eine Insulinresistenz — die Vorstufe des Typ-2-Diabetes — spielt eine zentrale Rolle, da sie die Fettspeicherung in der Leber direkt fördert.
Alkoholbedingte Ursachen
Übermäßiger Alkoholkonsum ist die zweithäufigste Ursache einer Fettleber. Die Leber baut Alkohol vorrangig ab und vernachlässigt dabei den Fettstoffwechsel, sodass sich Fett in den Leberzellen ansammelt. Als Schwellenwerte gelten: mehr als 10 Gramm Alkohol pro Tag bei Frauen (etwa 0,1 Liter Wein) und mehr als 20 Gramm bei Männern (etwa 0,5 Liter Bier). Die rein alkoholische Fettlebererkrankung wird als ALD (Alcohol-related Liver Disease) bezeichnet.
Seit der neuen Nomenklatur von 2023 gibt es zudem die Kategorie MetALD — für Patienten, bei denen sowohl metabolische Risikofaktoren als auch ein erhöhter Alkoholkonsum vorliegen. Diese Mischform war bisher diagnostisch schwer einzuordnen.
Weitere Ursachen
In selteneren Fällen kann eine Fettleber auch durch bestimmte Medikamente (zum Beispiel Kortikosteroide, Tamoxifen, Amiodaron), Schilddrüsenunterfunktion, seltene Stoffwechselerkrankungen, eine Schwangerschaftsfettleber oder ausgeprägte Mangelernährung entstehen. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle: Varianten im PNPLA3-Gen erhöhen das Risiko einer Fettleber und deren Fortschreiten erheblich.
Mehr dazu: Alle Ursachen der Fettleber im Detail4. Arten der Fettleber — MASLD, MetALD und ALD im Überblick
Seit der Einführung der neuen Nomenklatur 2023 unterscheidet die Medizin drei Hauptformen der Fettlebererkrankung, die sich nach der zugrunde liegenden Ursache richten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.
| Bezeichnung | Frühere Bezeichnung | Ursache | Alkoholkonsum |
|---|---|---|---|
| MASLD | NAFLD | Metabolische Dysfunktion (mind. 1 kardiometabolischer Risikofaktor) | Keiner oder gering (<20 g/Tag F, <30 g/Tag M) |
| MetALD | — | Metabolische Dysfunktion + erhöhter Alkoholkonsum | Erhöht (20–50 g/Tag F, 30–60 g/Tag M) |
| ALD | ALD / ASH | Überwiegend alkoholbedingt | Hoch (>50 g/Tag F, >60 g/Tag M) |
Diese Einteilung ist klinisch relevant, weil sich die Therapieansätze unterscheiden. Bei MASLD steht die Behandlung der metabolischen Risikofaktoren im Vordergrund, bei ALD die Alkoholabstinenz. MetALD erfordert beides. Allen drei Formen gemeinsam ist jedoch das Risiko, sich zu einer Leberentzündung und langfristig zu einer Zirrhose zu entwickeln.
5. Stadien der Fettleber — Von der Steatose bis zur Zirrhose
Die Fettleber ist keine statische Diagnose, sondern eine Erkrankung, die sich über Jahre hinweg in verschiedenen Stadien entwickeln kann. Nicht jede Fettleber schreitet fort — aber ohne Intervention steigt das Risiko mit der Zeit.
Steatose (Grad S1–S3)
Im Anfangsstadium lagern sich Fetttröpfchen in den Leberzellen ein. Die Medizin unterscheidet drei Schweregrade: S1 (5–33 % der Leberzellen betroffen), S2 (34–66 %) und S3 (mehr als 66 %). In diesem Stadium liegt noch keine Entzündung vor, und die Leber kann sich bei geeigneten Maßnahmen vollständig erholen.
Steatohepatitis (MASH)
Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit einer Fettleber entwickelt sich im Verlauf eine Leberentzündung — die sogenannte Steatohepatitis, heute als MASH (früher NASH) bezeichnet. Dabei entzündet sich das Lebergewebe, und Leberzellen gehen zugrunde. MASH ist der entscheidende Wendepunkt, ab dem die Erkrankung klinisch ernst wird.
Fibrose (F1–F4)
Die chronische Entzündung kann zur Vernarbung des Lebergewebes führen — der Fibrose. Diese wird in vier Stadien eingeteilt: F1 (leichte Fibrose), F2 (moderate Fibrose), F3 (fortgeschrittene Fibrose, sogenannte Brückenfibrose) und F4 (Zirrhose). In den Stadien F1 und F2 ist die Fibrose bei konsequenter Behandlung noch teilweise rückbildungsfähig.
Zirrhose und Leberkrebs
Das Stadium F4 entspricht einer Leberzirrhose — einem weitgehend irreversiblen Umbau des Lebergewebes, bei dem die Leber ihre Funktion zunehmend einbüßt. Patienten mit Zirrhose haben zudem ein deutlich erhöhtes Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC), also Leberkrebs. In Europa ist die MASH-bedingte Zirrhose inzwischen einer der häufigsten Gründe für eine Lebertransplantation.
6. Symptome — Warum die Fettleber oft jahrelang unbemerkt bleibt
Die Fettleber wird häufig als „stumme Erkrankung" bezeichnet, weil sie in frühen Stadien in den meisten Fällen keinerlei Beschwerden verursacht. Viele Betroffene erfahren erst durch einen Zufallsbefund — etwa bei einem Routine-Ultraschall oder erhöhten Leberwerten in der Blutuntersuchung — von ihrer Erkrankung.
Unspezifische Frühsymptome
Einige Patienten berichten über unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, allgemeines Unwohlsein, Konzentrationsschwierigkeiten oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Diese Symptome sind jedoch so uncharakteristisch, dass sie selten direkt mit der Leber in Verbindung gebracht werden.
Warnsignale fortgeschrittener Erkrankung
Erst wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist — also eine ausgeprägte Fibrose oder Zirrhose vorliegt — treten deutlichere Symptome auf. Dazu gehören Gelbfärbung der Haut und Augen (Ikterus), Juckreiz, Wassereinlagerungen im Bauchraum (Aszites) oder in den Beinen (Ödeme), Gewichtsverlust, Blutungsneigung und sichtbare Gefäßzeichnungen auf der Haut (Spider naevi).
7. Diagnose: Wie wird eine Fettleber festgestellt?
Die Diagnose einer Fettleber erfolgt in der Regel stufenweise und kombiniert verschiedene Untersuchungsmethoden. Ziel ist es, die Fettleber nachzuweisen, den Schweregrad zu bestimmen und andere Lebererkrankungen auszuschließen.
Blutuntersuchung
Die Bestimmung der Leberwerte im Blut ist häufig der erste Hinweis auf eine mögliche Fettleber. Typischerweise sind die Werte für GPT (ALT) und GGT leicht bis mäßig erhöht. Allerdings schließen normale Leberwerte eine Fettleber nicht aus — viele Betroffene haben trotz Steatose vollkommen unauffällige Blutwerte.
Ultraschall
Der abdominelle Ultraschall gilt als Standardverfahren zur Erstdiagnose. Eine verfettete Leber erscheint im Ultraschallbild heller und echoreicher als eine gesunde Leber. Die Methode ist kostengünstig, breit verfügbar und ohne Strahlenbelastung. Allerdings kann sie geringe Verfettungsgrade (unter 20–30 %) übersehen und gibt keinen Aufschluss über das Ausmaß einer möglichen Fibrose.
FibroScan (transiente Elastographie)
Der FibroScan misst die Steifigkeit des Lebergewebes und kann so eine Fibrose nicht-invasiv einschätzen. Neuere Geräte bestimmen zusätzlich den sogenannten CAP-Wert (Controlled Attenuation Parameter), der den Verfettungsgrad quantifiziert. Diese Untersuchung dauert nur wenige Minuten und wird zunehmend in gastroenterologischen Praxen angeboten.
Nicht-invasive Fibrose-Scores
Verschiedene Berechnungsformeln helfen dabei, das Fibroserisiko anhand einfacher Laborparameter einzuschätzen. Die bekanntesten sind der FIB-4-Score (basierend auf Alter, GOT, GPT und Thrombozytenzahl) und der NFS (NAFLD Fibrosis Score). Sie werden als Screening-Instrumente empfohlen, um Patienten mit niedrigem Risiko zu identifizieren, bei denen keine weitere invasive Diagnostik nötig ist (EASL Guidelines, 2024).
Leberbiopsie
Die Leberbiopsie — die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe aus der Leber — ist nach wie vor der Goldstandard zur Beurteilung von Entzündung und Fibrose. Sie wird jedoch wegen ihrer Invasivität nur in bestimmten Situationen eingesetzt, etwa wenn die Diagnose unklar ist, der Verdacht auf eine fortgeschrittene Erkrankung besteht oder im Rahmen klinischer Studien.
Mehr dazu: Diagnoseverfahren im Vergleich8. Leberwerte bei Fettleber verstehen
Erhöhte Leberwerte sind häufig der erste Hinweis, der Ärzte an eine Fettleber denken lässt. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Leberwerte, ihre Normbereiche und was eine Erhöhung bedeuten kann.
| Leberwert | Normbereich Männer | Normbereich Frauen | Bei Erhöhung |
|---|---|---|---|
| GPT (ALT) | bis 50 U/l | bis 35 U/l | Hinweis auf Leberzellschädigung; oft erster auffälliger Wert bei Fettleber |
| GOT (AST) | bis 50 U/l | bis 35 U/l | Erhöht bei Leberschäden, aber auch bei Muskel- und Herzerkrankungen |
| GGT | bis 60 U/l | bis 40 U/l | Empfindlicher Marker für Leber- und Gallengangschäden; steigt auch bei Alkoholkonsum |
| AP | 40–130 U/l | 35–105 U/l | Erhöht bei Gallenstau oder Knochenerkrankungen |
| Bilirubin | bis 1,2 mg/dl | Erhöht bei eingeschränkter Leberfunktion; verursacht Gelbsucht | |
Der De-Ritis-Quotient
Ein diagnostisch hilfreicher Wert ist der sogenannte De-Ritis-Quotient — das Verhältnis von GOT zu GPT. Bei einer einfachen Fettleber (Steatose) ist dieser Quotient typischerweise kleiner als 1, da die GPT stärker erhöht ist als die GOT. Steigt der Quotient über 1, kann das auf eine fortgeschrittene Lebererkrankung, eine alkoholische Genese oder eine beginnende Zirrhose hindeuten.
9. Behandlung & Therapie
Die Behandlung der Fettleber richtet sich nach dem Stadium und der zugrunde liegenden Ursache. In allen Stadien gilt die Lebensstiländerung als wichtigste und wirksamste Maßnahme. Seit 2024 stehen erstmals auch zugelassene Medikamente für fortgeschrittene Krankheitsformen zur Verfügung.
Lebensstiländerung als Grundpfeiler
Klinische Studien zeigen konsistent, dass eine Gewichtsreduktion von 7 bis 10 Prozent des Körpergewichts die Steatose deutlich verringern und sogar eine bestehende Fibrose verbessern kann. Entscheidend ist dabei nicht eine bestimmte Diätform, sondern eine dauerhafte Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten.
Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Insulinsensitivität und fördert den Fettabbau in der Leber — auch unabhängig vom Gewichtsverlust. Die aktuellen Leitlinien empfehlen mindestens 150 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche (etwa zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen), idealerweise ergänzt durch Krafttraining an zwei bis drei Tagen.
Medikamentöse Therapie — aktueller Stand
Bis vor kurzem gab es kein zugelassenes Medikament speziell für die Fettlebererkrankung. Das hat sich geändert: Resmetirom, ein selektiver Schilddrüsenhormonrezeptor-Agonist, wurde 2024 als erster Wirkstoff für die Behandlung der MASH mit moderater bis fortgeschrittener Fibrose (F2–F3) zugelassen. Auch Semaglutid, ein GLP-1-Rezeptoragonist, hat in der EU eine Zulassung für Patienten mit MASLD im Kontext von Adipositas erhalten. Beide Wirkstoffe zeigten in klinischen Studien eine signifikante Reduktion der Leberverfettung und der Fibrose.
Die medikamentöse Therapie ersetzt jedoch nicht die Lebensstiländerung, sondern ergänzt sie. Die Entscheidung über den Einsatz erfolgt individuell und gehört in die Hände eines erfahrenen Gastroenterologen oder Hepatologen.
Was hilft nicht? — Verbreitete Mythen
Im Internet kursieren zahlreiche vermeintliche Hausmittel gegen Fettleber: Leberreinigungen, Entgiftungskuren, Mariendistel-Präparate oder Detox-Tees. Für keines dieser Mittel gibt es belastbare wissenschaftliche Evidenz. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) warnt ausdrücklich davor, sich auf solche Produkte zu verlassen und dadurch evidenzbasierte Maßnahmen zu verzögern.
Mehr dazu: Therapie der Fettleber — Was wirklich hilft10. Ernährung bei Fettleber
Die Ernährungsumstellung ist ein zentraler Baustein der Fettleber-Therapie. Die beste Evidenz liegt für die mediterrane Ernährung (Mittelmeerdiät) vor, die in mehreren klinischen Studien die Leberverfettung signifikant reduzieren konnte — auch ohne Gewichtsabnahme.
Empfohlen (Dos)
Gemüse und Hülsenfrüchte bilden die Basis. Dazu kommen Vollkornprodukte, Fisch (besonders fettreicher Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering wegen der Omega-3-Fettsäuren), Nüsse, Olivenöl als primäre Fettquelle und moderate Mengen an Obst. Kaffee — sowohl koffeinhaltiger als auch entkoffeinierter — zeigt in Studien einen schützenden Effekt auf die Leber und kann in Maßen (3 bis 4 Tassen täglich) getrunken werden.
Vermeiden (Don'ts)
Besonders schädlich für die Fettleber sind zuckergesüßte Getränke und Lebensmittel mit hohem Fruktosegehalt, da Fruktose in der Leber direkt zu Fett umgewandelt wird. Auch stark verarbeitete Lebensmittel, Weißmehlprodukte, gesättigte Fette und Transfette sollten deutlich reduziert werden. Alkohol ist bei einer bestehenden Fettleber grundsätzlich zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum zu beschränken.
11. Ist eine Fettleber heilbar?
Die Fettleber ist in frühen Stadien vollständig reversibel — das unterscheidet sie von vielen anderen chronischen Lebererkrankungen und ist eine der wichtigsten Botschaften für Betroffene.
Im Stadium der reinen Steatose (ohne Entzündung) kann sich die Leber bei einer konsequenten Lebensstiländerung vollständig erholen. Die Fetteinlagerungen bilden sich zurück, und das Organ gewinnt seine normale Funktion zurück. Auch eine bestehende Steatohepatitis (MASH) und selbst leichtere Fibrosegrade (F1–F2) sind bei geeigneter Therapie noch teilweise oder ganz rückbildungsfähig.
Anders verhält es sich bei einer fortgeschrittenen Fibrose (F3) oder einer Leberzirrhose (F4): Hier ist das Narbengewebe weitgehend irreversibel. Auch in diesen Stadien kann eine konsequente Behandlung jedoch das Fortschreiten verlangsamen, Komplikationen verhindern und die Lebensqualität erhalten.
12. Fettleber bei Kindern & Jugendlichen
Die Fettleber ist längst keine Erkrankung des mittleren und höheren Lebensalters mehr. Parallel zur steigenden Adipositasrate bei Kindern und Jugendlichen nimmt auch die Zahl junger Patienten mit Fettleber in Deutschland deutlich zu.
Schätzungen zufolge sind in Europa bereits 5 bis 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen — bei adipösen Kindern liegt die Rate sogar bei bis zu 40 Prozent. Besonders besorgniserregend ist, dass die Erkrankung bei Kindern schneller fortschreiten kann als bei Erwachsenen und das Risiko für Typ-2-Diabetes im jungen Erwachsenenalter deutlich erhöht.
Die Diagnostik bei Kindern ähnelt der bei Erwachsenen, wobei der Ultraschall und nicht-invasive Scores bevorzugt werden. Medikamentöse Therapien sind für Kinder bisher nicht zugelassen. Die Behandlung stützt sich daher vollständig auf Ernährungsumstellung, Bewegungsförderung und — wo nötig — eine begleitende psychologische Unterstützung der Familie.
Mehr dazu: Fettleber bei Kindern erkennen und behandeln13. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bei einer Fettleber lagert sich übermäßig viel Fett in den Leberzellen ein. Mediziner sprechen von einer Fettleber, wenn mehr als fünf Prozent der Leberzellen Fetttröpfchen enthalten. Der medizinische Fachbegriff lautet Steatosis hepatis.
Eine reine Fettleber ohne Entzündung hat zunächst eine gute Prognose. Unbehandelt kann sie sich jedoch zu einer Leberentzündung (MASH), Fibrose und im Endstadium zu einer Leberzirrhose oder Leberkrebs entwickeln. Zudem erhöht eine Fettleber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufigste Todesursache bei MASLD-Patienten.
Ja. In frühen Stadien (Steatose und leichte Fibrose) ist die Fettleber bei konsequenter Lebensstiländerung vollständig reversibel. Entscheidend sind eine dauerhafte Ernährungsumstellung, regelmäßige Bewegung und — falls vorhanden — die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Diabetes.
Typischerweise ist die GPT (ALT) am häufigsten erhöht, gefolgt von der GGT. Auch die GOT (AST) kann leicht ansteigen. Allerdings haben viele Fettleber-Patienten trotz nachgewiesener Steatose völlig normale Leberwerte — erhöhte Werte sind also ein Hinweis, aber kein zwingendes Kriterium.
Meiden sollten Betroffene vor allem zuckergesüßte Getränke (Softdrinks, Fruchtsäfte), stark verarbeitete Lebensmittel, Weißmehlprodukte, frittierte Speisen und Transfette. Auch Alkohol sollte bei einer bestehenden Fettleber vermieden oder stark eingeschränkt werden. Empfohlen wird stattdessen eine mediterrane Ernährungsweise.
Bei konsequenter Ernährungsumstellung und regelmäßiger Bewegung kann sich eine Fettleber innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten deutlich verbessern. Studien zeigen, dass bereits nach 3 bis 6 Monaten mit einer Gewichtsreduktion von 7 bis 10 Prozent eine signifikante Reduktion der Leberverfettung erreichbar ist.
Eine Fettleber Grad 1 (Steatose S1, 5–33 % der Leberzellen betroffen) ist das früheste Stadium und in der Regel nicht gefährlich. Sie ist vollständig reversibel. Trotzdem sollte sie als Warnsignal verstanden werden: Ohne Gegenmaßnahmen kann sie fortschreiten.
MASLD ist die seit 2023 gültige Bezeichnung für die früher als NAFLD bekannte Erkrankung. Die Umbenennung erfolgte, um die stigmatisierende Bezeichnung „nicht-alkoholisch" zu ersetzen und den metabolischen Krankheitsmechanismus stärker zu betonen. Inhaltlich beschreiben beide Begriffe dasselbe Krankheitsbild.
Ja, der Ultraschall ist das Standardverfahren zur Erstdiagnose. Eine verfettete Leber erscheint im Ultraschallbild heller als eine gesunde Leber. Allerdings kann der Ultraschall geringe Verfettungsgrade (unter 20–30 %) übersehen. Für eine genauere Beurteilung werden FibroScan oder MRT eingesetzt.
Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der die Verdachtsdiagnose stellt und Basisdiagnostik durchführt. Zur weiterführenden Abklärung und Behandlung überweist er an einen Gastroenterologen oder Hepatologen — Fachärzte, die auf Erkrankungen der Verdauungsorgane und der Leber spezialisiert sind.
14. Quellenverzeichnis
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- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). S2k-Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen. AWMF-Register Nr. 021-025. Aktualisierung 2024.
- Younossi ZM, Golabi P, Paik JM, Henry A, Van Dongen C, Henry L. The global epidemiology of nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD) and nonalcoholic steatohepatitis (NASH): a systematic review. Hepatology. 2023;77(4):1335–1347.
- Younossi ZM, Koenig AB, Abdelatif D, Fazel Y, Henry L, Wymer M. Global epidemiology of NAFLD — meta-analytic assessment of prevalence, incidence, and outcomes. Hepatology. 2016;64(1):73–84.
- Harrison SA, Bedossa P, Guy CD, et al. A phase 3, randomized, controlled trial of resmetirom in NASH with liver fibrosis. New England Journal of Medicine. 2024;390(6):497–509.
- Newsome PN, Buchholtz K, Cusi K, et al. A placebo-controlled trial of subcutaneous semaglutide in nonalcoholic steatohepatitis. New England Journal of Medicine. 2021;384(12):1113–1124.
- Vilar-Gomez E, Martinez-Perez Y, Calzadilla-Bertot L, et al. Weight loss through lifestyle modification significantly reduces features of NAFLD. Gastroenterology. 2015;149(2):367–378.
- Eslam M, Newsome PN, Sarin SK, et al. A new definition for metabolic dysfunction-associated fatty liver disease: an international expert consensus statement. Journal of Hepatology. 2020;73(1):202–209.
- Romero-Gómez M, Zelber-Sagi S, Trenell M. Treatment of NAFLD with diet, physical activity and exercise. Journal of Hepatology. 2017;67(4):829–846.
- Schwimmer JB, Deutsch R, Kahen T, Lavine JE, Stanley C, Behling C. Prevalence of fatty liver in children and adolescents. Pediatrics. 2006;118(4):1388–1393.
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